Aufgaben abgeben, Dinge loslassen, Gefühle loslassen – warum alles zusammenhängt
- Sarah Amtsberg
- 25. Mai
- 4 Min. Lesezeit

Ich habe in den letzten Wochen etwas ausprobiert das sich für mich zunächst ziemlich radikal angefühlt hat.
Ich habe einen Reset gemacht.
Nicht so einen sanften, bei dem man einen Schrank öffnet und überlegt was davon wohl weg kann. Sondern andersherum. Ich habe Dinge ausgeräumt, in Kisten gepackt und beiseitegestellt. So hatte ich plötzlich einen leeren Raum vor mir.
Eine leere Leinwand.
Und von da aus habe ich mich gefragt: was davon will ich wirklich zurückhaben?
Ich möchte gleich dazusagen: das ist eine Variante, die nicht für jeden so funktioniert. Wenn du gerade in einer Phase bist wo einfach zu viel da ist, zu viel Chaos, zu wenig Raum, dann ist das kein realistischer erster Schritt. Das ist okay. Darum geht es mir hier auch gar nicht.
Was mich an diesem Reset so berührt hat war nicht das Ausräumen selbst. Sondern was danach passiert ist.
Dinge kamen zurück in mein Leben die ich fast vergessen hatte. Kleine Dinge die mir zeigen was mir wirklich wichtig ist. Und mit ihnen kam eine Erkenntnis, die ich eigentlich schon kannte, aber jetzt nochmal wirklich gespürt habe:
Loslassen schafft Raum. Und in diesem Raum kann etwas Neues entstehen.
Mir fiel ein Buch das ich früher schon einmal gelesen hatte in die Hände. Ich habe begonnen es zu lesen. Es heißt "Lieben heißt die Angst verlieren." Und es hat mir noch einmal klar gemacht warum das Festhalten so menschlich ist, und warum es uns trotzdem so viel kostet.
Warum wir festhalten
Viele von uns halten an Dingen fest weil wir Angst haben, dass danach weniger da ist. Dieser Gedanke kommt aus einem Gefühl des Mangels. Wir denken: wenn ich das weggebe, verliere ich etwas.
Aber in Wirklichkeit behalten wir damit oft auch alles was uns nicht mehr guttut. Die Dinge die Energie kosten. Die Gefühle die wir längst hätten loslassen dürfen. Die Aufgaben die wir eigentlich nicht mehr tragen wollten.
Und so bleiben wir stehen.
Festhalten fühlt sich sicher an. Aber es hält uns auch davon ab uns zu bewegen und uns weiterzuentwickeln.
Die drei Ebenen des Loslassens
Beim Nachdenken darüber ist mir aufgefallen, dass Loslassen auf verschiedenen Ebenen passiert. Und dass diese Ebenen zusammenhängen, auch wenn sie sich zunächst ganz unterschiedlich anfühlen.
Ebene 1: Aufgaben abgeben
Das ist die praktischste Ebene. Und gleichzeitig oft die an der wir am längsten festhalten.
Ich mache das selbst, weil es schneller geht. Ich mache das selbst, weil ich weiß wie ich es haben möchte. Ich mache das selbst, weil ich nicht erklären will wie es geht.
Kommt dir das bekannt vor?
Was ich in meiner eigenen Familie und auch bei vielen Kundinnen immer wieder beobachte: wer alles selbst macht trägt auch alles alleine. Und irgendwann ist da einfach keine Kraft und Energie mehr dafür da.
Aufgaben abzugeben bedeutet nicht die Kontrolle zu verlieren. Es bedeutet Vertrauen zu üben. Und anderen die Möglichkeit zu geben, Verantwortung zu übernehmen und daran zu wachsen.
Bei uns hat das mit kleinen Dingen angefangen. Die Kinder räumen ihre eigenen Sachen ein. Jeder holt sich seine saubere Wäsche eigenständig aus dem Keller hoch und räumt sie in den Kleiderschrank. Der Familienkalender gehört allen. Es gibt viele kleine Aufgaben, die nach und nach eingeübt und abgegeben werden können. Jede für sich klingt vielleicht simpel. Aber der Unterschied, den es gemacht hat war spürbar.
Ebene 2: Dinge loslassen
Jeder Gegenstand der in unserem Zuhause liegt braucht einen kleinen Teil unserer Aufmerksamkeit. Das klingt übertrieben, aber wenn man genau hinschaut merkt man wie viel Energie Unordnung wirklich kostet.
Nicht nur weil man Dinge sucht. Sondern weil das Gehirn im Hintergrund ständig registriert was noch offen ist, was noch weggeräumt werden müsste, was noch keinen Platz hat.
Und manchmal halten wir an Dingen fest nicht, weil wir sie brauchen, sondern weil das Loslassen sich nach Verlust anfühlt. Nach Abschied. Nach dem Ende von etwas.
Was mir mein Reset gezeigt hat: erst wenn ich wirklich loslasse, also nicht überlege ob ich loslassen will sondern es einfach tue, merke ich wie viel Raum entstehen kann. Und was ich wirklich vermisse, und was ich eigentlich gar nicht brauche.
Das ist übrigens auch der Grund warum ich in meiner Arbeit als Ordnungsexpertin nicht einfach nur Ordnung schaffe. Sondern auch schaue was dahintersteckt. Warum jemand festhält. Was das mit ihr macht. Und welchen ersten kleinen Schritt sie heute gehen kann.
Ebene 3: Gefühle loslassen
Das ist die tiefste Ebene. Und gleichzeitig die die am schwersten greifbar ist.
Wir wünschen uns Frieden, innere Ruhe, leichtere Beziehungen. Aber wir lassen nicht los, aus Angst uns danach noch leerer zu fühlen. Dabei behalten wir damit auch alles was uns das Leben schwer macht. Die Erschöpfung, die Sorgen, die Vergangenheit und die Erwartungen an uns selbst.
Was wäre wenn du Angst durch Vertrauen ersetzen könntest?
Nicht von heute auf morgen. Nicht perfekt. Aber Schritt für Schritt.
Gerade als hochsensible Frau habe ich gelernt, dass mein Körper sehr schnell sehr viel aufnimmt. Und dass es wichtig ist bewusst zu entscheiden, was ich festhalte und was ich loslasse. Nicht nur bei Dingen. Sondern auch bei Gedanken, Gefühlen und Erwartungen.
Das Buch das mich gerade begleitet sagt es so: wenn wir im Gefühl der Angst sind verschließen wir uns und lassen das Gute in unserem Leben nicht rein. Es wird erst besser wenn Bewegung entsteht und wir anfangen etwas anders zu machen als bisher.
Was die drei Ebenen verbindet
Aufgaben abgeben, Dinge loslassen, Gefühle loslassen. Das klingt nach drei verschiedenen Themen. Aber in Wirklichkeit ist es dasselbe Prinzip.
Wer im Außen nicht loslassen kann hält oft auch im Innen fest. Und umgekehrt: wer anfängt kleine Dinge abzugeben merkt wie sich auch etwas im Innen löst.
Es braucht keine große Geste. Keinen radikalen Reset. Nur einen ersten kleinen Schritt.
Vielleicht ist das heute eine Schublade. Vielleicht eine Aufgabe die du abgibst. Vielleicht ein Gedanke dem du nicht mehr so viel Raum gibst.
Und vielleicht merkst du dabei dasselbe, was ich gemerkt habe:
Loslassen fühlt sich nicht nach weniger an. Sondern nach Luft. 💛
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